Was dürfen Kaninchen fressen ? Die vollständige Liste
Gemüse, Salate, Kräuter, Wildpflanzen, Obst, Saaten — was wirklich in den Napf darf, wie viel davon und wie oft. Ein Nachschlagewerk für den Alltag, mit klaren Mengenangaben und ehrlichen Hinweisen.
Die Frage steht hinter fast jedem Einkauf: Darf ich das meinem Kaninchen geben? Dieser Artikel beantwortet sie systematisch — sortiert nach Lebensmittel-Kategorien, mit klaren Mengenangaben und ehrlichen Differenzierungen. Was Kaninchen nicht fressen dürfen, behandelt der Schwesterartikel "Was dürfen Kaninchen nicht fressen?" ; giftige Pflanzen aus Garten und Natur findest du im Ratgeber zu giftigen Pflanzen .
Eine Vorbemerkung: Dieser Artikel ist ein Nachschlagewerk, kein Ernährungsplan. Den vollständigen Überblick zu Mengenverhältnissen, Heu-Anteil und Tagesrhythmus liefert der Pillar-Artikel "Kaninchen richtig ernähren" .
Fünf Faustregeln vorab
Bevor wir in die Lebensmittel-Listen einsteigen, fünf Regeln, die alle Detailfragen leichter machen:
- Heu ist die Hauptnahrung. Alles, was hier folgt, ist Ergänzung — nicht Ersatz. Heu muss jederzeit verfügbar sein.
- Vielfalt vor Menge. Drei verschiedene Sorten Frischfutter sind besser als eine große Portion einer einzigen Sorte.
- Faustregel für die Tagesmenge: etwa 100 Gramm Frischfutter pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf zwei Portionen.
- Neue Lebensmittel langsam einführen. Beginne mit kleinen Mengen einer neuen Sorte und beobachte 1–2 Tage. Bei Durchfall oder Trägheit: pausieren.
- Jedes Tier ist individuell. Was eines Kaninchens Lieblingsfutter ist, lehnt das andere ab. Was eines verträgt, kann beim anderen Probleme machen. Beobachten ist immer Teil der Antwort.
Wir verwenden vier Kategorien für die Häufigkeit: Täglich (kann jeden Tag gegeben werden), Häufig (mehrmals pro Woche), Selten (1–2× pro Woche, kleine Mengen), In Maßen (gelegentlich, kleine Mengen, nicht für jedes Tier).
Gemüse — was geht, was geht weniger
Gemüse ist nach Heu der zweitwichtigste Bestandteil. Es liefert Vitamine, Mineralien, Wasser und Geschmacksvielfalt. Wichtig: nicht alle Gemüsesorten sind gleich. Wir teilen sie in drei Kategorien.
Täglich geeignet
| Lebensmittel | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Möhre | Täglich | Wegen Zucker-Anteil nur in moderaten Mengen, nicht als Hauptbestandteil |
| Möhrengrün | Täglich | Sehr beliebt, gerne genommen, gut verträglich |
| Fenchelknolle | Täglich | Mit Grün, leicht verdauungsfördernd |
| Fenchelgrün | Täglich | Gerne als Beilage |
| Sellerie (Stange) | Täglich | Faserreich, gut für die Zähne |
| Selleriegrün | Täglich | Aromatisch, beliebt |
| Pastinake | Täglich | Mild, gut verträglich |
| Topinambur | Häufig | Auch das Grün ist verträglich, im Winter wertvoll |
| Stielmus / Rübstiel | Häufig | Sehr nahrhaft |
Häufig, aber mit Augenmaß
| Lebensmittel | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Brokkoli (mit Strunk und Blättern) | Häufig | Kann Aufgasung verursachen, langsam einführen |
| Blumenkohl (mit Blättern) | Häufig | Wie Brokkoli — gut verträglich nach Eingewöhnung |
| Kohlrabi (Knolle und Blätter) | Häufig | Blätter sind nahrhafter als die Knolle |
| Paprika (rot, gelb, orange) | Häufig | Ohne Strunk und Kerne, keine grünen Stellen |
| Zucchini | Häufig | Wasserreich, gerne gefressen |
| Gurke | Häufig | Sehr wasserreich, in heißen Tagen ideal |
| Mangold | Häufig | Hoher Calcium-Anteil, bei Harngrieß meiden |
| Spinat | Selten | Wegen Oxalsäure und Calcium nicht zu oft |
| Rote Bete (mit Grün) | Häufig | Färbt den Urin rötlich — kein Grund zur Sorge |
| Steckrübe / Kohlrübe | Häufig | Gut verträglich, faserreich |
Seltener oder mit Vorsicht
| Lebensmittel | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Kürbis | Selten | Kerne und Schale entfernen |
| Wirsing | Selten | Wie alle Kohlsorten: in größeren Mengen blähend |
| Weiß- und Rotkohl | Selten | Stark blähend, nur kleine Mengen |
| Grünkohl | Selten | Calciumreich, in Maßen |
| Pak Choi | Selten | Kohlgewächs, langsam einführen |
| Chinakohl | Selten | Wasserreich, Maß halten |
| Aubergine (nur reif!) | Selten | Unreife enthält Solanin — gefährlich |
Tomaten ohne Strunk und ohne grüne Stellen können in kleinen Mengen gegeben werden. Tomatengrün ist giftig und gehört nicht in den Napf.
Salate — die Eisbergsalat-Falle
Salate sind ein wichtiger Bestandteil der Frischfütterung — aber nicht alle Salate sind gleichwertig. Eisbergsalat etwa besteht zu fast 96 % aus Wasser und enthält kaum Nährstoffe. Es füllt den Bauch, ohne wirklich zu nähren — und kann bei großen Mengen Durchfall auslösen.
Empfehlenswerte Salate
| Salat | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Romana / Römersalat | Täglich | Knackig, nährstoffreicher als die meisten anderen Salate |
| Feldsalat | Täglich | Gut verträglich, gehaltvoll |
| Endivie | Täglich | Bitterstoffe regen die Verdauung an |
| Frisée | Täglich | Wie Endivie |
| Radicchio | Häufig | Bitterstoffe, gerne genommen |
| Rucola | Häufig | Senföle wirken anregend, in moderaten Mengen |
| Lollo Rosso / Bionda | Häufig | Etwas zarter als Romana |
| Postelein / Winterportulak | Häufig | Im Winter wertvoll |
| Eichblattsalat | Häufig | Mild, gut verträglich |
Eher meiden
- Eisbergsalat — zu wenig Nährstoffe, zu wasserreich, kann Durchfall verursachen
- Kopfsalat (Buttersalat) — oft mit Nitratbelastung aus Treibhaus-Anbau, eher meiden
- Industriell vorgewaschene Salatmischungen — können Chlor- oder Konservierungsmittel-Reste enthalten
Wenn du Salat einkaufst: Bio-Qualität bevorzugen, gründlich waschen, abtropfen lassen. Wer einen Garten hat, kann selbst anbauen — alle anderen brauchen eine verlässliche Quelle, die bei Frische und Herkunft nicht spart. Eine vorportionierte Salat-Kräuter-Frischekiste nimmt diese Arbeit ab und liefert wöchentlich eine getestete Mischung.
Küchenkräuter
Frische Küchenkräuter sind kleine Aroma-Bomben und werden meist begeistert angenommen. Sie können täglich in kleinen Bündeln gegeben werden, oft auch als Topfpflanze auf dem Fensterbrett. Ein Bündel von 2–3 verschiedenen Kräutern pro Mahlzeit ist eine schöne Bereicherung.
| Kraut | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Basilikum | Täglich | Gerne genommen, gut verträglich |
| Petersilie | Täglich | Bei trächtigen Häsinnen meiden (wehenfördernd) |
| Dill | Täglich | Beruhigend für die Verdauung |
| Melisse / Zitronenmelisse | Täglich | Mild, beruhigend |
| Koriander | Täglich | Manche Tiere lieben es, andere lehnen ab |
| Kerbel | Täglich | Mild, anisartig |
| Estragon | Häufig | Aromatisch, in moderaten Mengen |
| Pfefferminze | Häufig | Verdauungsfördernd, bei Darmproblemen hilfreich |
| Salbei | Selten | Stark würzig, kleine Mengen |
| Thymian | Selten | Stark ätherisch, wenig auf einmal |
| Oregano | Selten | Würzig, kleine Mengen |
| Liebstöckel | Selten | Bei trächtigen Häsinnen meiden |
| Bohnenkraut | Selten | Gut verträglich in kleinen Mengen |
Generell gilt: Je intensiver der Geschmack eines Krauts, desto kleiner die Portion. Ein paar Stängel reichen.
Wildkräuter und Wiesenpflanzen
Wildkräuter sind die Krone der Kaninchenernährung — sie kommen dem natürlichen Speiseplan am nächsten. Frisch gesammelt im Sommer oder als schonend getrocknete Wildkräutermischung für die kühle Jahreszeit, beides hat seinen Platz. Den ausführlichen Pflück-Guide mit Saisonkalender findest du im Ratgeber Wildkräuter sicher pflücken .
Sichere Wildkräuter
| Pflanze | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Löwenzahn (Blatt, Blüte, Wurzel) | Täglich | Eines der wertvollsten Wildkräuter überhaupt |
| Spitzwegerich | Täglich | Entzündungshemmend, gut für die Atemwege |
| Breitwegerich | Täglich | Wie Spitzwegerich |
| Gänseblümchen (Blatt und Blüte) | Täglich | Sehr beliebt |
| Vogelmiere | Täglich | Gehaltvoll, gerne genommen |
| Brennnessel | Täglich | Vor dem Verfüttern getrocknet oder mind. 2 Std. angewelkt |
| Schafgarbe | Häufig | Aromatisch, würzig |
| Hirtentäschel | Häufig | Mild |
| Labkraut (Echtes oder Kletterndes) | Häufig | Wertvolle Wiesenpflanze |
| Knoblauchsrauke | Häufig | Mild, leicht knoblauchartig |
| Sauerampfer | Selten | Oxalsäurehaltig, kleine Mengen |
| Wiesenklee (Rotklee, Weißklee) | Häufig | Eiweißreich, in moderaten Mengen |
| Wiesengräser (verschiedene) | Täglich | Naturnahe Wiesenmischung ideal |
| Wilde Möhre (Blatt und Wurzel) | Häufig | Gehaltvoll |
| Beifuß | Selten | Würzig, kleine Mengen |
| Kamille (Echte) | Selten | Beruhigend |
Beim Sammeln gelten zwei Regeln: Nur was du sicher erkennst , und nicht direkt am Wegesrand oder neben gespritzten Feldern . Mehr dazu im genannten Pflück-Guide.
Blätter und Zweige
| Pflanze | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Apfelbaum-Zweige und -Blätter | Täglich | Hervorragend zum Knabbern |
| Birnbaum-Zweige und -Blätter | Täglich | Wie Apfel |
| Haselnuss-Zweige und -Blätter | Täglich | Beliebt |
| Weidenzweige | Täglich | Beliebter Knabber-Klassiker |
| Birkenzweige | Häufig | Etwas härter |
| Maulbeerblätter | Täglich | Sehr nahrhaft |
| Himbeerblätter und -Zweige | Täglich | Leicht zusammenziehend, gut bei Durchfall |
| Brombeerblätter und -Zweige | Täglich | Wie Himbeere |
| Eichenrinde | Häufig | Adstringierend, in Maßen |
Zweige von Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Aprikose und Mandel enthalten Blausäure-Vorstufen und sind nicht geeignet . Bei Unsicherheit: nur die in der Tabelle gelisteten Sorten geben.
Obst — selten und in Maßen
Obst gehört zur Kategorie "Leckerli" — nicht zur täglichen Grundernährung. Der Grund: Obst enthält viel Fruchtzucker, der den Verdauungstrakt belasten und zu Übergewicht führen kann. Eine kleine Menge an 1–2 Tagen pro Woche ist ein schöner Akzent — mehr nicht.
Geeignete Obstsorten
| Lebensmittel | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Apfel (ohne Kerngehäuse) | Selten | Klassiker, gerne genommen |
| Birne | Selten | Wie Apfel |
| Erdbeere | Selten | Auch das Grün ist verträglich |
| Himbeere | Selten | Frisch oder als Beere |
| Brombeere | Selten | Wie Himbeere |
| Heidelbeere | Selten | Antioxidantien-reich |
| Banane | In Maßen | Sehr zuckerhaltig, höchstens kleine Stücke |
| Melone (Wassermelone, Honigmelone) | Selten | Wasserreich, kleine Stücke |
| Pfirsich, Nektarine, Aprikose (entkernt) | In Maßen | Kerne immer entfernen |
| Kirsche (entkernt) | In Maßen | Kerne entfernen |
| Ananas | In Maßen | Sehr säurehaltig, kleine Stücke |
Trockenobst — Rosinen, Datteln, getrocknete Banane — gehört nicht in die Kaninchenernährung. Der Zucker ist um ein Vielfaches konzentriert.
Saaten und Knabbereien
Saaten sind energiereich und werden oft als kleine Belohnung gereicht. Im Naturzustand fressen Wildkaninchen Saaten in geringen Mengen — vor allem bei der Aufzucht der Jungen oder im Winter. Für Hauskaninchen gelten daher klare Mengenobergrenzen.
| Saat | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Sonnenblumenkerne (geschält oder mit Schale) | In Maßen | Energiereich, höchstens 5–10 Stück pro Tag |
| Leinsamen | Häufig | Verdauungsfördernd, eine Prise täglich |
| Sesam | Selten | Calciumhaltig, kleine Mengen |
| Hagebutten (getrocknet) | Häufig | Vitamin-C-reich, beliebt |
| Hanfsamen | In Maßen | Eiweißreich, kleine Mengen |
| Mariendistelsamen | Selten | Leberunterstützend |
| Buchweizen | In Maßen | Glutenfrei, in moderaten Mengen |
| Hirse | In Maßen | Glutenfrei, energiereich |
Was ist mit Getreide?
Getreide — Hafer, Weizen, Mais, Gerste — gehört nicht zur Standard-Kaninchenernährung. Es kann in besonderen Lebenssituationen sinnvoll sein (Aufzucht, Außenhaltung im Winter, Rekonvaleszenz), ist aber für gesunde Hauskaninchen verzichtbar. Mehr dazu im Detail-Artikel "Getreidefreie Ernährung" .
Wasser
Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein — täglich gewechselt, am besten in einem schweren Napf, der nicht umfallen kann. Eine Tränke ist ebenfalls möglich, allerdings trinken viele Kaninchen aus einem Napf bevorzugt, weil es ihrer natürlichen Trinkhaltung entspricht (Kopf nach unten).
Leitungswasser ist in Deutschland einwandfrei und besser geeignet als stilles Mineralwasser, das oft mineralreicher ist als nötig. Sprudelwasser ist nicht geeignet.
Bei Kaninchen, die hauptsächlich Frischfutter bekommen, ist der Trinkbedarf geringer — sie nehmen viel Wasser über Salate, Gurke, Frischkräuter auf. Trotzdem: immer Wasser bereitstellen.
Zusammenfassung — die Kurzversion
Wenn du nur fünf Punkte aus diesem Artikel mitnimmst:
- Heu ist Hauptnahrung , alles andere ist Ergänzung.
- Wildkräuter sind keine Beilage sondern die zweite Säule der Ernährung
- Vielfalt statt Menge — drei verschiedene Sorten Frischfutter sind besser als eine große Portion einer Sorte.
- Ca. 100 g Frischfutter pro kg Körpergewicht pro Tag, verteilt auf zwei Portionen.
- Obst ist Leckerli , nicht Hauptnahrung — kleine Mengen, 1–2× pro Woche.
- Eisbergsalat, Trockenobst, Brot haben in der Kaninchenernährung nichts verloren.
Was Kaninchen nicht fressen dürfen, behandelt der Schwesterartikel "Was dürfen Kaninchen nicht fressen?" . Für die akut giftigen Pflanzen — vor allem aus Garten und Natur — gibt es den Spezial-Ratgeber "Giftige Pflanzen für Kaninchen" .
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